Der Moscheebau im Gäuboten

Moschee wird gebaut

Herrenberg: Ditib plant an der Schießmauer

Das ehemalige Gelände der Stuttgarter Gardinen an der Schießmauer soll die künftige Moschee der Herrenberger Ditib-Gemeinde beheimaten, die wie im kleinen Bild aussehen soll GB-Fotos: Holom/gb
In jedem Jahr öffnet die Türkisch Islamische Gemeinde Herrenberg (Ditib) die Türen für interessierte Männer und Frauen. Auf der Kermes wird man mit Tee und türkischen Spezialitäten verwöhnt und bekommt Führungen in der Moschee. Dieser steht bald ein Umzug an die Schießmauer bevor, wo noch in diesem Jahr der Bau eines neuen, viel größeren Gemeindezentrums mit Moschee startet.

Lilly Necker

Mit der Kunst des Schuheausziehens fängt es an, wenn man den Gebetsraum der Ditib Moschee in der Horber Straße betreten möchte. "Man zieht erst den rechten Schuh aus und tritt auf den Teppich und dann den linken, damit man allen Schmutz draußen lässt, bevor man vor Allah tritt", erklärt Ismail Özkan, der als ehrenamtlicher Dialogbeauftragter in den vier Tagen der offenen Tür, die immer am Pfingstwochenende stattfinden, drei Mal am Tag Moscheeführungen anbietet. Dabei erfährt man, dass die Ditib-Gemeinde 1989 in Köln gegründet wurde und mittlerweile die größte muslimische Religionsgemeinschaft in Deutschland darstelle, das Gebäude in der Horber Straße 2002 gekauft und umgebaut wurde und aktuell 190 Mitglieder der Herrenberger Glaubensgemeinschaft angehören. "Allerdings ist immer nur eine Person pro Familie als Mitglied eingetragen", sagt Özkan, der damit klarmacht, dass die tatsächliche Mitgliederzahl wohl gut um das Dreifache höher ist.

Neben dem Gebetsraum für die Männer beherbergt das Haus Wasch- und Unterrichtsräume, eine Teestube, eine Cafeteria und einen Gebetsraum für Frauen, der mit Lautsprechern und Flachbildschirm ausgestattet ist, damit man auch hier den Imam, der als religiöses Oberhaupt der Gemeinde traditionell die Rolle des Vorbeters übernimmt, sehen und hören kann. "Beim Beten soll man sich auf Allah konzentrieren und nicht auf das andere Geschlecht", erklärt Özkan die Trennung. Fünf Mal am Tag verneigt sich ein gläubiger Moslem vor Allah "und begibt sich von der Wüste des Alltags in die Oase des Gebets", wie es der Dialogbeauftragte ausdrückt, nach Süden Richtung Kaaba. Dieses quadratische mit dunklem Stoff überzogene Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka symbolisiert das "Haus Gottes" und damit das zentrale Heiligtum des Islams.

1 500 Quadratmeter Nutzfläche

In diese Richtung wird auch die Moschee ausgerichtet sein, die an der Schießmauer 1 in Herrenberg entstehen soll. Dazu wird das Gebäude der ehemaligen Stuttgarter Gardinenfabrik zu einem Gemeindezentrum mit insgesamt 1 500 Quadratmeter Nutzfläche umgebaut. "Moscheen von heute sind nicht mehr nur Möglichkeit, sein Gebet zu verrichten, sondern eine Begegnungsstätte, in der man auch seine Freizeit verbringen kann. Wir hoffen, dass das mit dem Neubau gegeben ist", sagt Özkan, der sich besonders auf das große Jugendzimmer freut, dass neben all den Räumen, die es bisher auch in der Horber Straße gab, in der Schießmauer Platz finden wird. An das Gebäude angebaut wird ein Gebetsraum mit rund 500 Quadratmeter Fläche, in den bis zu 550 Menschen passen werden. "Dort wird es eine Glaskuppel und ein zweistöckiges Balkonsystem geben, mit dem wir endlich eine Frauenempore verwirklichen können", freut sich auch Mehmet Serinken, stellvertretender Vorsitzender der Herrenberger Gemeinde. Er ist von Beruf Bauträger und daher Hauptverantwortlicher des Bauprojekts. Eine weitere Besonderheit des Gebetsraumes werden gläserne Wände sein, die laut ihm nicht nur optische Gründe haben: "Viele Leute fragen sich immer, was da Merkwürdiges in einer Moschee vor sich geht. Mit den Glaswänden wollen wir Transparenz schaffen und zeigen, dass wir nichts zu verheimlichen haben."

Die Stadt habe dem Projekt bereits zugestimmt, so dass vor wenigen Tagen das Baugesuch eingereicht wurde. Eine Auflage Herrenbergs betrifft jedoch die zwei geplanten Minarette, die den Gebetsraum flankieren werden. "Hier dürfen wir kein Lautsprechersystem für die Rufe zum Gebet anbringen. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die Türme an sich nur symbolischen Wert für uns haben", sagt Serinken. Zu der Höhe der Minarette macht er auf "Gäubote"-Nachfrage keine Angaben.

Für Serkinken war die Idee der Stadt, auf einem Grundstück im Industriegebiet einen Neubau hinzustellen, wenig attraktiv. Seit zwei Jahren war die Ditib-Gemeinde bereits auf der Suche nach einem größeren Gebäude und konnte schließlich Ende 2013 die Räumlichkeiten käuflich erwerben, samt 3 206 Quadratmeter großem Grundstück, auf dem zusätzlich 1 500 Quadratmeter Garten und 50 Parkplätze entstehen sollen. Kosten wird das gesamte Vorhaben laut Serinken, der dieses Jahr nach dem Fastenmonat Ramadan im August mit Um- und Neubau beginnen möchte, etwa eine Million Euro. Geld, das ausschließlich von Mitgliederbeiträgen, Spenden und aufgenommenen Darlehen einzelner Vereinsmitglieder komme. Auch wenn man es anstrebe, noch in diesem Jahr mit der Anlage fertig zu werden, ist dem stellvertretenden Vorsitzenden wichtiger, dass nicht die falsche Botschaft mit dem Projekt gesendet werde. Schließlich wolle man sich nicht vergrößern, sondern müsse aus Platzgründen bauen: "Wir wollen niemanden mit dem Bau unseres Gemeindezentrums und der Moschee provozieren oder in irgendeiner Form reizen. Auch wollen wir andere religiöse Gruppen damit nicht belästigen, zumal unser Gebetsraum nicht nur für türkische Moslems, sondern für Moslems aus der ganzen Welt offen ist."

Quelle: http://www.gaeubote.de/index.php?kat=10&artikel=110616408&red=24
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